Alle Beiträge von admin

Wie haben Sie recht gehabt, so eingestanden und aufrichtig zu feiern. Dieses vertrauliche Fest ist nicht ganz leicht zu übergehen. Es ist nun einmal da in seinem alten Selbstbewußtsein und voll guten Gewissens, und sperrt man es aus, so kommt es durch Ritzen und Fugen herein, und auf einmal geht die Zeit doch damit hin, gutmütig, wie sie mit allem geht.

Aus einem Brief an Mathilde Vollmöller vom 31.12.1908

Wünsche

Solang der Wunsch schwach ist, ist er wie eine Hälfte und braucht das Erfülltwerden wie eine zweite Hälfte, um etwas Selbständiges zu sein. Aber Wünsche können so wunderbar zu etwas Ganzem, Vollem, Heilem auswachsen, das sich gar nicht mehr ergänzen läßt.

Aus einem Brief an Marietta Freiin von Nordeck zur Rabenau, 14. April 1910

[Den ganzen Brief gibt es hier:
http://www.rilke.de/briefe/140410.htm]

Abend „Rilke und der erste Weltkrieg“ in Paris

Ein Tipp für Rilke-Freunde in Paris: Die „Association Rainer Marie Rilke“ veranstaltet zusammen mit der Deutschen Botschaft Paris, dem Goethe-Institut Paris und dem Forum Culturel Autrichien Paris / Österreichisches Kulturforum Paris am 3. November 2016 eine soirée: „Rilke und der Erste Weltkrieg“:

Am Donnerstag, d. 3.  November, um 19:00 Uhr
Im Goethe-Institut Paris, 17 avenue d’Iéna 75116 Paris

Die Referenten Professor August Stahl, Experte für die poetischen Texte aus der Zeit des ersten Weltkrieges und Ehrenpräsident der Rilke-Gesellschaft, und Peter Por, Autor der Bücher „Als wärst du ein Zeichen Band I/ II“, erläutern diese Thematik erstmalig.

Rilke befand sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Leipzig. Des Weiteren arbeitete Rilke 1916, also vor hundert Jahren, als Soldat der österreichischen Armee im Kriegsarchiv in Wien.

Der Abend wird von dem Pianisten Tristan Pfaff musikalisch begleitet.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.rmrilke.org/

Reservierungen richten Sie bitte an: info@rmrilke.org

 

 

Neue Ausgabe der „Blätter“: Rilkes Florenz / Rilke im Welt-Bezug

Die neue Ausgabe der „Blätter der Rilke-Gesellschaft“ ist gerade erschienen und an die Mitglieder verschickt worden. Der Schwerpunkt liegt auf Untersuchungen zu Rilkes Florenz-Aufenthalten, ihren Voraussetzungen und Folgen, sowie zu Rilkes poetischer und poetologischer Arbeit am Welt-Bezug seiner Dichtung. Die Abhandlungen werden durch Kurzbeiträge ergänzt. Wie in den vorhergehenden Bänden werden neue Dokumente von und zu Rilke mitgeteilt und neuere Arbeiten der Rilke-Forschung rezensiert.

Eine Übersicht sämtlicher Beiträge aus dem neuesten Band finden Sie, zusammen mit sämtlichen anderen in den „Blättern“ erschienenen Beiträgen, unter diesem Link.

Titelblatt Rilkes Florenz / Rilke im Weltbezug

Spaziergang

Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an —

und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen …
Wir aber spüren nur den Gegenwind.

Muzot, 1924

 

Die Rilke-Gesellschaft trauert um Hilde Heidelmann

Die Rilke-Gesellschaft trauert um Hilde Heidelmann, die nach schwerer Krankheit am 11. August 2016 im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern war sie von vielen Tagungen her vertraut; allen begegnete sie mit Offenheit, menschlicher Anteilnahme und Herzlichkeit. In Rilke-Kreisen war sie zudem durch die hervorragend edierten und kommentierten Briefe an Gräfin Mirbach-Geldern-Egmont 1918-1924 bekannt, ihre Dissertationsarbeit, die 2005 im Verlag Königshausen & Neumann erschien. In den Blättern der Rilke-Gesellschaft erschien zuletzt Frau Dr. Heidelmanns Beitrag zu Rilke im Werk von Cy Twombly. Ihr einfühlsamer Vortrag zu diesem Thema auf der Rilke-Tagung in Florenz (2014) wirkt in den Teilnehmern mit der Leuchtkraft von Twomblys Bildern fort. Im Graftschaftsmuseum der Stadt Wertheim betreute sie über viele Jahre den volkskundlichen Bereich und konzipierte erfolgreiche Ausstellungen. Das Leiden blieb ihr zuletzt nicht erspart. Ausdruck ihrer Tapferkeit und großen Lebensfreude ist das Rilke-Zitat, das über der Traueranzeige steht: „Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit.“

Die Neue Zürcher Zeitung feiert Projekte aus der Rilke-Gesellschaft

overlay_neuezuercherzeitung

 

 

Dieser Überblick über neuere Rilke-Edition und Forschung aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 6. August  liest sich sie wie ein Rechenschaftsbericht der Rilke-Gesellschaft: Allein 6 Vorstandsmitglieder werden erwähnt, dazu die Projekte vieler Mitglieder wie Klaus Bohnenkamp und Alfred Hagemann.

Hier nur ein Auszug, über den letzten Band der „Blätter der Rilke-Gesellschaft“:

„Immer gehaltvoller sind seit einiger Zeit unter der der Herausgeberschaft von Jörg Paulus und Erich Unglaub die «Blätter der Rilke-Gesellschaft» geworden, deren 32. Jahrgang (2014) zwei Generalthemen gewidmet ist: Hier werden zunächst die Beiträge einer Tagung zu Rilkes Leben in der Schweiz wiedergegeben, die nach einem Überblick aus der Feder des Rilke-Biografen Ralph Freedman eine Reihe von auf den ersten Blick zwar disparaten, für Kenner des Werks, auch für die Laien darunter, aber höchst gehaltvolle Studien bieten: etwa zur Spiegelung der Figur Karls des Kühnen in den «Aufzeichnungen» (Thomas Richter) oder zur «Schweiz als Klangkörper» (Alexander Honold).

Die zweite Gruppe von Aufsätzen ist den – für die Literaturwissenschaft offensichtlich unerschöpflichen – «Sonetten an Orpheus» gewidmet, an denen z. B. Wolfram Groddeck die zyklische Ordnung untersucht, während Jan Röhnert Rilkes «Lied vom Meer» eine subtile Interpretation widmet, die das Gedicht im weiteren Bezug auf die deutsche Mittelmeer-Lyrik mit Oskar Loerke und Gottfried Benn konfrontiert, im engeren aber seinen Charakter als «Ur-Sonett an Orpheus» aufdeckt, «auf dem sozusagen die Tonleiter des späteren Zyklus gestimmt wird».“

Den ganzen Artikel finden Sie hier:
http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/fruchtbare-archive-fleissige-interpreten-rilke-und-kein-ende-ld.109377

 

Vorläufiges Programm für Gdańsk

Für die Rilke-Tagung in Gdańsk ist das vorläufige Programm fertig! http://www.rilke.ch/?page_id=623

 

Schon bricht das Glück, verhalten viel zu lang,
höher hervor und überfüllt die Wiese;
der Sommer fühlt schon, der sich streckt, der Riese,
im alten Nußbaum seiner Jugend Drang.

Die leichten Blüten waren bald verstreut,
Das ernstre Grün tritt handelnd in die Bäume,
und, rund um sie, wie wölbten sie die Räume,
und wieviel morgen war von heut zu heut.

Im Mai 1924

Rilke-Gesellschaft trauert um Ralph Freedman

Die Rilke-Gesellschaft trauert um ihr Ehrenmitglied
Prof. Dr. Ralph William Freedman
(1920-2016)

url

Am 5. Mai 2016 verstarb im Grady Hospital in Atlanta (Georgia), etwa sechs Wochen nach einem Sturz von der häuslichen Treppe, unser Ehrenmitglied Prof. Dr. Ralph Freedman.

Ralph Freedman war Philosoph, Komparatist, Biograf, Romancier und Übersetzer. In Hamburg geboren, emigrierte er 1939 gerade noch rechtzeitig nach England, im Jahr darauf in die USA, wo er zuletzt an der Universität Princeton vergleichende Literaturwissenschaft lehrte. Er ist Autor anerkannter, in mehrere Sprachen übersetzter Biografien über Hermann Hesse (1982) und Rainer Maria Rilke (1996; deutsch 2001 und 2002), dessen Leben und Werk er «mit weitem Blick» und «gebändigter Detailfülle» (Hans-Albrecht Koch) ins Wort zu fassen verstand.

In Calw wurde ihm 2002 die Hesse-Medaille verliehen. 2010 ernannte ihn die Rilke-Gesellschaft in Bad Rippoldsau «in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Lebensleistung, seiner Verdienste als Rilke-Forscher und Mittler und seiner Verbundenheit mit der Rilke-Gesellschaft» zum Ehrenmitglied.

Trotz vorgerückten Alters nahm er regelmäßig an unseren Tagungen teil, zuletzt 2015 in London, und hielt uns mehrere Vorträge, so 2002 in München («Rilke und Loulou Albert-Lasard»), 2009 in Wolfenbüttel («Dichtung und Bildende Kunst in den Neuen Gedichten – Rilke, Rodin, Baudelaire»), 2012 in Bern («Rilkes Leben in der Schweiz»), 2014 in Florenz («Die Stadt und der Dichter: Rainer Maria Rilke und Florenz»). Die Rilke-Gesellschaft verliert in ihm einen treuen, lebensklugen, humorbegabten Freund.

VERWEILUNG, auch am Vertrautesten nicht,
ist uns gegeben; aus den erfüllten
Bildern stürzt der Geist zu plötzlich zu füllenden; Seen
sind erst im Ewigen. Hier ist Fallen
das Tüchtigste. Aus dem gekonnten Gefühl
überfallen hinab ins geahndete, weiter.

(Aus Rilkes Gedicht An Hölderlin, 1914)