Danke für die tollen aus verschiedensten Richtungen kommenden Impulse,
lilaloufan.
Das Gedicht Hasszellen ist mir schwer zugänglich. Schon in der zweiten Zeile: "daß ihr des tiefen Giftes nicht verlört" frage ich mich, ob hier auf ein konstruktives, den Menschen vielleicht sogar ausmachendes Element des Hasses hingewiesen wird. Ich werde das Gedicht im Laufe der Zeit mit Sicherheit noch öfters lesen.
Die Kappusbriefe sind vor etwa 4 Wochen mein Einstieg in Rilkes Welt gewesen und die genannte Stelle hat mich da schon etwas irritiert. Ich hatte Rilkes Blick auf das Leben nämlich so verstanden (oder verstehen wollen?), dass es vor Allem darum geht, sich selbst natürlich entfalten zu lassen, möglichst ohne Kontrolle über aktives Zutun, so ziemlich im Einklang mit dem, was ich unter Taoismus verstehe. Diesem Eindruck steht dieses (mir schon fast streng anmutende) sich Erziehen aber entgegen.
Zu "hassen Sie nichts" würde ich ihn gern fragen, ob es überhaupt eine Frage der Entscheidung ist, nicht zu hassen.. Es kommt mir manchmal vor, als läge es gar nicht in meiner Hand. Zugegebenermaßen jedoch: je mehr ich über die Grenzen der Bedeutung dieses Wortes nachdenke, desto weniger wird mir klar, was ich darunter genau verstehe.
Ich habe gerade ein kleines Rilke Büchlein für unterwegs am Wickel, das nennt sich "Lektüre für Minuten" und besteht aus ausgewählten kurzen Passagen aus seinen Büchern, Briefen, Gedichten...
Dort fand ich gestern folgendes zum Thema passendes:
"Hast du noch nie bemerkt, wie verachtete, geringe Dinge sich erholen, wenn sie in die breiten, zärtlichen Hände eines Einsamen geraten? Wie kleine Vögel sind sie, denen die Wärme wiederkehrt. Sie rühren sich, wachen auf und ein Herz beginnt in ihnen zu schlagen, das wie die äußerste Welle eines mächtigen Meeres in den horchenden Händen steigt und fällt." (aus "Briefe und Tagebücher aus der Frühzeit 1899 bis 1902").
Das finde ich wunderschön und darin steckt auch schon viel Antwort. Aber wie? Noch einsamer werden? Aber wie? ...
Liebe Grüße
