englische Übersetzung GOLD

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silko
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englische Übersetzung GOLD

Beitrag von silko »

Hallo,

ich suche die englische Übersetzung des Gedichtes GOLD, kann mir hier jemand weiterhelfen ?
Danke & Grüße Silko
sedna
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von sedna »

silko,

meintest Du dieses aus Rilkes "Larenopfer"?

8. Gold

"Dein Wams, Geliebter, ist voll Gold.
Wo hast das Gold du her?" —
"Da schaust du, Kind, das ist mein Sold,
kein Obrist hat wohl mehr!"

"Nein, das ist gutes, rotes Gold,
das kann dein Sold nicht sein!" —
"Beim Spielen war das Glück mir hold,
und da ward alles mein!"

"Ist wirklich alles dein — das Gold,
gesteh, — und ists kein Trug?" —
"Nun, Würfel haben mit gerollt,
und jetzt laß es genug!"

"Und gibst du mir auch von dem Gold?"
"Das weißt du!" — "Nein, du Schelm,
just auf der Stelle, sieh, ich wollt,
du füllst mir deinen Helm!"

"Es sei!" — "Wie’s durch die Finger bebt,
der Glanz gefällt mir gut! —
— — — — — — — — — — — — —
— — — — — — — — — — — — —
... Schau, was dir da am Finger klebt,
kam das vom Golde? — Blut!" - ...
— — — — — — — — — — — — —



Dann schau mal hier rein:

"Larenopfer: Offerings to Lares" by René Rilke. A bilingual edition translated and commented by Alfred de Zayas, published by Red Hen Press, Los Angeles, 2005.

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!
silko
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von silko »

Hallo sedna,

danke für Deine Antwort, ich suche aber das Gedicht " Das Gold " . Vielleicht hast du hier auch einen Tipp ?

Danke Silko

Das Gold

Denk es wäre nicht: es hätte müssen
endlich in den Bergen sich gebären
und sich niederschlagen in den Flüssen
aus dem Wollen, aus dem Gären

ihres Willens; aus der Zwang-Idee,
daß ein Erz ist über allen Erzen.
Weithin warfen sie aus ihren Herzen
immer wieder Meroë

an den Rand der Lande, in den Äther,
über das Erfahrene hinaus;
und die Söhne brachten manchmal später
das Verheißene der Väter,
abgehärtet und verhehrt, nachhaus;

wo es anwuchs eine Zeit, um dann
fortzugehn von den an ihm Geschwächten,
die es niemals liebgewann.
Nur (so sagt man) in den letzten Nächten
steht es auf und sieht sie an.
sedna
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von sedna »

Okay silko, verstehe - das war der englische Titel (dann gibt es jetzt zwei) :)
Das von Dir gesuchte GOLD habe ich hier gefunden:

- Rainer Maria Rilke. New Poems. Translated by James Blair Leishman.The Hogarth Press, 1964.

- Rainer Maria Rilke. New Poems. Translated by Stephen Cohn. Northwestern University Press, 1998.

Beide zweisprachig. Im letzteren kann man bei google books blättern und das ganze Gedicht lesen (S. 175 ff.)

sedna
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silko
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von silko »

Hallo sedna,

vielen lieben Dank für Deine Hilfe, allerdings werden mir zur Vorschau nur die Seiten 1-169 angezeigt,
gibt es hier die Möglichkeit auch auf die folgenden Seiten zuzugreifen?

Danke Silko
sedna
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von sedna »

Seltsam, silko,

also versuche ich hier mal eine Zugriffsmöglichkeit (zugleich mit der Empfehlung Leishman deswegen nicht unter den Tisch fallen zu lassen)

:shock: Hab den Link wieder gelöscht. Er zeigt nicht das an, was ich normalerweise lesen kann.
Gib mal auf der Seite von books.google.com - Cohn Rilke "Gold Think" - in die Suchmaske ein.
Kommst Du so auf S. 175? Mehr fällt mir gerade nicht dazu ein.

sedna
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silko
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von silko »

Hallo sedna,

jetzt hat es geklappt, vielen Dank für deine Hilfe!

Gruß Silko
arme
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Registriert: 8. Nov 2016, 15:06

Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von arme »

Hallo, alle die sich für dieses Gedicht interessieren könnten. Nach einem harten Kampf mit den Neuen Gedichten II habe ich einige Stellen, die ich nur nicht lösen kann. Zum Beispiel das Gedicht Das Gold, das schon hier oben wiedergeben steht.

Den Beginn glaube ich ungefähr zu verstehen, aber von der Zeile „das Verheissene der Väter“ will sich der Schluss nicht öffnen. Schon „das Verheissene“ ist schwierig. Ist es das Gold oder nur das was die Väter einmal versprochen haben? „Abgehertet und verhehrt“, worauf beziehen sie sich eigentlich hin? (Habe doch das gelesen, was in der Kommentierten Ausgabe steht.) Auch der Inhalt dieser Worte ist mir undeutlich. Und was bedeutet eigentlich „es“ in der letzten Strophe? Ob jemand an diese Fragen denken möchte, wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichen Grüssen arme
arme
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von arme »

Ich will nur sagen, dass ich jetzt Hans Berendts RMRs Neue Gedichte Versuch einer Lösung lese und allmählich etwas mehr verstehen kann. Wäre doch interessant das Gedicht mit euch zu diskutieren. arme
helle
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von helle »

Mich stellt das Gedicht vor viele Rätsel. Das beginnt mit der konjunktivischen Konstruktion, die, wie ich glaube, bis V. 6 zu lesen ist. Ab V. 7 wechseln Modus und Tempus zu Indikativ und Imperfekt, die letzte Strophe wechselt dann ins Präsens. Um bei der Grammatik zu bleiben: Die Pronomen in Str. 2 »ihres« (V. 5) und »sie« (V. 7) finde ich nicht eindeutig zuzuordnen:

- »ihres Willens« - vermutlich dem Willen der »Flüsse«. Oder?
- »warfen sie« - sie – wiederum die Flüsse? So, daß die Flüsse »aus ihren Herzen / immer wieder Meroë« warfen, und zwar hier und dorthin, zu relativ unbestimmt bleibenden Orten, »an den Rand der Lande, in den Äther, / über das Erfahrene hinaus«.

Bis dahin, bis V. 10, würde es sich also um ein imaginiertes (»Denk es wäre«) Naturgeschehen handeln, mit der Einschränkung, daß »Meroë« als Symbol einer Städtegründung etwas Kulturelles benennt. Danach führt die Rede von den »Söhnen« und »Vätern« konkreter in die Menschenwelt. Aber auch hier scheint mir die grammatische Zuordnung nicht eindeutig: »das Verheißene der Väter« kann bedeuten: Das, was den Vätern verhießen wurde (genitivus objectivus), aber auch: Das, was die Väter verhießen haben (genitivus subjectivus). Wem das zu viel Fachchinesisch ist - ich lasse mich gern belehren, wenn die Dinge einfacher zu klären sind (vielleicht mit Hilfe von H. Berendts Buch, das ich allerdings nicht kenne).

Zu den inhaltlichen Rätseln zählen für mich v.a. die Anthropomorphismen, das Tun der »Flüsse«, wie schon angedeutet, und stärker noch die Rede vom Gold. Denn das »Gold, das »Erz über allen Erzen« « scheint wohl gemeint als das »Verheißene der Väter«. Vielleicht kann man das »Liebgewinnen« auch weniger anthropomorph und als sozialen Hinweis verstehen – denjenigen, die das Gold schürften, war es nicht hold, sie taten es für andere – dazu würde die Formel »abgehärtet und verhehrt« passen. Die Schlußverse verlassen diesen realistisch gedachten Kontext allerdings entschieden, zugunsten des Unheimlichen, wie man es aus der Welt von Gruselgeschichten, Alpträumen und manchmal auch anderen Rilke-Gedichten kennt.

Soweit für den Moment.
Gruß, helle.
arme
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von arme »

Danke, Helle! Mein erster Gedanke war, daβ ”ihre” auf der fünften Zeile schon auf Menschen hindeuten würde. Kann man es nicht so lesen? Ich konnte mir nicht vorstellen, daβ die Flüβe ein Herz, einen Willen oder eine Zwangidee haben könnten, sondern daβ der Mensch einen so starken Glauben an etwas Wertvolles hatte, daβ es nur daraus gebären muβte. ”Warfen sie” wäre dann: die menschlichen Vorstellungen um eine goldene Stadt (Meroë) ist so stark und die Hoffnungen von Menchen so grenzlos, daβ sie in den Äther, über das Erfahrene hinaus reichen. ”Das Verheiβene der Väter” kann man zweierlei verstehen, das ist wahr. Aber kann man vielleicht denken, daβ die Väter schon nach dem Gold gesucht haben und jetzt tun es die Söhne. Und die Söhne hätten dann das Gold zu etwas wie Geld gemacht und auf diese Weise dieses Wertvolle ”verhehrt”. Und sie kommen nach Hause, und das Gold gibt Wohlstand und Glück aber zum Schluβ auch Streit und Unglück. Und es wäre dann das Verhalten der Menschen zum Gold, das die Menschen in den letzten Nächten misst, ob sie gut oder wertlos sind. Daβ das Gold in sich die Eigenschaft hat. Beinahe wie etwas Göttliches. Hans Berendt meint, daβ das Gold Gott ist, aber das geht schon zu weit, finde ich. (Verzeiht mir meine Fehler…) arme
helle
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Re: englische Übersetzung GOLD

Beitrag von helle »

arme hat geschrieben: 3. Dez 2022, 16:56 Mein erster Gedanke war, daβ ”ihre” auf der fünften Zeile schon auf Menschen hindeuten würde. Kann man es nicht so lesen?
Doch, das kann man sicher, erscheint mir jedenfalls plausibler als meine enge grammatische Auslegung. Ich halte es aber für eine Schwäche des Gedichts, daß dies nicht klar ist.
arme hat geschrieben: 3. Dez 2022, 16:56 ”Das Verheiβene der Väter” kann man zweierlei verstehen [...] kann man vielleicht denken, daβ die Väter schon nach dem Gold gesucht haben und jetzt tun es die Söhne. Und die Söhne hätten dann das Gold zu etwas wie Geld gemacht und auf diese Weise dieses Wertvolle ”verhehrt”.
Auch hier finde ich die Auslegung stimmig, plausibel. Daß Rilke "verhehren" schreibt und nicht das gebräuchlichere "verheeren" (wenn es denn gemeint ist), macht das Verständnis nicht leichter.
arme hat geschrieben: 3. Dez 2022, 16:56 Und sie kommen nach Hause, und das Gold gibt Wohlstand und Glück
Das sehe ich im Gedicht nicht ausgesprochen, nicht ausdrücklich.

Zu H. Berendt möchte ich nichts sagen, weil ich seine Interpretation nicht kenne. So, wie Du es beschreibst, klingt es schon sehr spekulativ. Daß das Geld die Rolle Gottes eingenommen hat, hat in einem früheren Kontext auch Marx behauptet, den die Religion im allgemeinen wenig interessiert. Darauf möchte ich lieber nicht eingehen, das ist ein zu weites Feld, wie Vater Briest sagen würde. Wenn man auch heute noch über den die Schritte dämpfenden Teppichboden in den Schaltersaal einer Bank geht und ein weihevolles Gespräch mit den Bankangestellten über die eigenen Geldangelegenheiten führt, kann man dem Gedanken, daß die Banken Kirchen gleichen, allerdings einiges abgewinnen.

Ein bon weekend
wünscht helle
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